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Wann ist ein Christ ein Christ?
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Wann ist ein Christ ein Christ?


Wann ist ein Christ ein Christ?

Wolfgang Nestvogel

Normaler Preis 12,90 €

inkl. MwSt. und ggf. plus Versandkosten

Autor: Wolfgang Nestvogel
Titel: Wann ist ein Christ ein Christ?
Untertitel: Der Kampf um die Rechtfertigung
Paperback, 248 Seiten
EBTC  2. Auflage  04/2018

Auch als eBook verfügbar

Wann ist ein Christ ein Christ? – Der Kampf um die Rechtfertigung

Beschreibung

Das 500-jährige Reformationsjubiläum wurde „vergeigt“ – so lautet jedenfalls die Kritik des Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann. In einem Gastbeitrag für die FAZ beklagte der renommierte Lutherforscher die theologische Oberflächlichkeit des Projekts. In der Tat hörte man im Jahr 2017 nicht viele Stimmen, die sich zur Rechtfertigung aus Glauben, dem eigentlichen Kernthema der Reformation, zu Wort meldeten. Dieses Buch greift das Thema aus aktuellem Anlass auf.

Wann ist ein Christ ein Christ? Gibt es auf diese Frage überhaupt eine eindeutige und verlässliche Antwort? Der Apostel Paulus geht mit Bestimmtheit davon aus. In seinen Briefen präsentiert er dazu die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders. Als Martin Luther diese Wahrheit nach 1500 Jahren wieder entdeckt, zerbricht daran die damalige Einheitskirche. Seitdem ist der Kampf um die Rechtfertigung nicht mehr zur Ruhe gekommen. Entscheidet sich doch – laut Paulus – gerade hier, ob unser Evangelium echt oder verfälscht ist, ob die Menschen durch die Predigt gerettet oder getäuscht werden (Galater 1,6).

Diese Monographie erläutert Luthers „reformatorische Entdeckung“ und zeigt, wie die Rechtfertigung sich als unverzichtbares Grundgerüst der gesamten evangelischen Bewegung etablierte. Ein ausführlicher exegetischer Teil untersucht dann die klassischen Passagen des Römerbriefes: Hat der Reformator den Apostel sachgerecht aufgenommen und angemessene theologische Konsequenzen daraus gezogen?

Den aktuellen Kampf um die Rechtfertigung verfolgt der Autor zunächst in der Auseinandersetzung mit der sog. Neuen-Paulus-Perspektive (N. T. Wright u.a.), die einen Keil zwischen Paulus und Luther treibt und damit neue Spielräume für den ökumenischen Kompromiss gewinnen will. Diesem Ziel dienen auch die evangelisch-katholischen Konsenspapiere, die mit großem kirchenpolitischen Aufwand verabschiedet wurden: Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) und das Gemeinsame Wort zum Reformationsjubiläum (2016/17). Beide Texte werden hier gründlich analysiert. Wie dringend die Rechtfertigung erneut auf die theologische Tagesordnung gehört, zeigt sich schließlich auch an den Fragmentierungen und Umbrüchen innerhalb der evangelikalen Bewegung. Nicht einmal mehr dort wird mit einer Zunge gesprochen, wenn sich die Frage aller Fragen stellt: Wann ist ein Christ ein Christ?

Die vorliegende Untersuchung ist aus der regelmäßigen Predigttätigkeit des Autors gereift und will zu ebensolcher ermutigen. Aus diesem Grund verbindet sie argumentative Klarheit mit herausfordernder Dringlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1
Rechtfertigung – das Herzens­anliegen der Reformation
Wie Luther und seine Mitstreiter die Rechtfertigung in der Bibel entdeckten und dann erklärten.

I. Die herausragende Bedeutung der Rechtfertigung für die Reformation und den evangelischen Glauben heute

Exkurs A: EKD-Denkschrift „Rechtfertigung und Freiheit“ zum Reformationsjubiläum

II. Die Entdeckung und Entfaltung der Rechtfertigungsbotschaft

III. Das Ausreifen der Rechtfertigungslehre – Luthers Erkenntnisprozess

IV. Die Reaktion der römisch-katholischen Theologie im Trienter Konzil

Kapitel 2
Rechtfertigung – das Herzstück des Römerbriefes
Wie Gott durch den Apostel Paulus die Grundlagen der Rechtfertigung in der Bibel offenbarte.

I. Der Ausgangspunkt der Rechtfertigung: das größte Problem eines jeden Menschen

II. Das Ziel: Gott bringt Rettung

III. „Gottes Kraft zur Rettung“ – Rechtfertigung im Römerbrief

1. These – Der Urheber der Rechtfertigung
Rechtfertigung ist die Initiative des Vaters, der den Sünder für gerecht erklärt und zugleich seine eigene Gerechtigkeit erweist.

Exkurs B: Rechtfertigung und Versöhnung – Wer wird mit wem versöhnt?

2. These – Der Vollender der Rechtfertigung
Rechtfertigung ist der Kraftakt des Sohnes, welcher der Gerechtigkeit des Vaters Genüge tut.

Exkurs C: Müssen Gottes Zorn und Jesu Strafleiden unbedingt sein?
Die Entwürfe von Dodd - Eckstein - Royer

3. These – Der Zugang zur Rechtfertigung
Gottes Rechtfertigung zielt auf die Antwort des persönlichen Glaubens – der die fremde Gerechtigkeit in Christus ergreift.

Kapitel 3

Die Neue-Paulus-Perspektive – eine Herzattacke?
Wie die „Neue-Paulus-Perspektive“ einen Keil zwischen Paulus und Luther treiben wollte und dabei eine Karikatur von Rechtfertigung erfand.

I. Die NPP als Gegenkonzept zum reformatorischen Paulus-Verständnis

II. Die neue Füllung vertrauter Begriffe – oder: die Macht der Äquivokation

1. Der Begriff „Gerechtigkeit Gottes“

2. Der Begriff „Rechtfertigung“

Exkurs D: Zur Exegese von Gal 2,16

3. Das Begriffspaar „Glauben statt Werke“

4. Dienst und Aufgabe Jesu Christi

III. Das Ergebnis: eine neue Version des Evangeliums?

Exkurs E: Welchen Glauben meint Röm 10,9-10

IV. Die neue Rechtfertigungslehre – eine neue Chance für die Ökumene?

Kapitel 4
Der moderne Streit um die Rechtfertigung –
und der Herzschlag der Verkündigung
Wie die Rechtfertigung bis heute von einigen leichtsinnig verraten und von anderen umso leidenschaftlicher verteidigt wird.

I. Von Augsburg (1530) nach Augsburg (1999)

II. Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungs­lehre (1999) – ein Meilenstein der Ökumene?

1. Von Anfang an umstritten

2. Ein Symbol der Einheit – viel Lob von Evangelikalen

3. Worauf einigten sich die Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung wirklich?

4. Das Tauziehen um die gemeinsame Verabschiedung der Gemeinsamen Erklärung

5. Römische Begleitmusik: Maria und der Ablass

III. „Erinnerung heilen“ – Die Fortschreibung der „Gemeinsamen Erklärung“ von 1999 (GER) im „Gemeinsamen Wort“ der Kirchen zum Reformationsjahr 2017

1. Mit Franziskus zum Reformationsjubiläum – Reformationstag in Lund (2016)

2. Theologie oder Therapie? – Reformationsgedenken als ökumenischer Bußgottesdienst

3. „Glauben – und Werke“ – war da ein Problem? Eine schlichte Synthese ...

4. Die Berufung auf den Glaubensbegriff nach Thomas von Aquin – hier fallen die Würfel!

IV. Evangelischer Widerstand – die Wahrheit als Ganzes verteidigen!

1. Der Beitrag von Hellmuth Frey – „Jesus allein oder Jesus und ...?“

2. Die Padua-Erklärung (1999) – das Wesen des Katholizismus verstehen

3. Verantwortung zum protestantischen Widerstand

4. Ausblick: Der Herzschlag unserer Verkündigung

Nachwort

Über den Autor

Anhänge

Anhang 1
Der Inhalt der evangelistischen Botschaft

Anhang 2
Wie wird ein Mensch Gottes Kind?

Anhang 3
Die Padua-Erklärung  (1999)

Anhang 4
Der reformatorische Konflikt heute – zehn Thesen nach 500 Jahren

Abkürzungen

Literaturverzeichnis

Das Kopieren und Verwenden dieses Inhaltsverzeichnisses ist nicht zulässig.

Rezensionen

BUCHREZENSION VON BENEDIKT PETERS: „WANN IST EIN CHRIST EIN CHRIST?“

Der Verfasser beantwortet in diesem Buch die Frage: Wie wird man Christ, und vom wem kann man sagen, er sei Christ? Wie der Untertitel anzeigt, entscheidet sich alles an der Lehre der Rechtfertigung. Wer die biblische Wahrheit von der Rechtfertigung des Sünders aus Glauben allein anders versteht, als es die Bibel lehrt, der ist kein Christ. In vier Kapiteln behandelt der Autor sein Thema. In Kapitel 1 zeigt er die herausragende Bedeutung der Rechtfertigung für die Reformation und damit für den evangelischen Glauben heute. Wie diese in der evangelischen Welt inzwischen verändert worden ist, demonstriert er an der zum Reformationsjubiläum von der EKD herausgegebenen Denkschrift „Rechtfertigung und Freiheit“. Damit ist deutlich gezeigt, dass die Lehre von der Rechtfertigung seit der Reformationszeit bis heute beständig angegriffen und umgedeutet wird; deshalb sind wir aufgerufen, den Kampf um diese Lehre aufzunehmen. Während es in den Tagen Luthers zur Hauptsache die Römische Katholische Kirche war, die auf die Lehren der Reformation im Tridentinum mit ihren Anathemata antwortete, werden diese seit geraumer Zeit auch durch evangelische Theologen angegriffen.

Damit wir erkennen, wo die Abweichungen liegen, müssen wir wissen, dass die Bibel tatsächlich lehrt, dass der Sünder allein aus Glauben an den Sohn Gottes gerechtfertigt wird. Das zeigt der Autor im 2. Kapitel, in welchem er die entscheidenden Abschnitte aus dem Römerbrief erklärt. Hier bekommt der Leser auf 30 Seiten einen knappen Überblick über die ersten acht Kapitel des Römerbriefes und vor allem eine ausgezeichnete Darlegung der Rechtfertigungslehre, gestützt auf den zentralen biblischen Text von Römer 3,21-27. Dabei erläutert und definiert der Autor in willkommener und hilfreicher Weise die entscheidenden Begriffe der Rechtfertigungslehre wie Sünde, Gnade, Glaube, Zurechnung, Sühne, Versöhnung, Stellvertretung.

Das Kapitel 3 wendet sich einem neueren Angriff auf die Rechtfertigungslehre zu, der sogenannten Neuen Paulus-Perspektive, mit welcher der evangelische Theologe Tom Wright „einen Keil zwischen Paulus und Luther treiben wollte und dabei eine Karikatur von Rechtfertigung erfand“, wie Nestvogel sagt. Er belegt mit der Bibel und anhand von Zitaten aus Äußerungen Wrights in überzeugender Weise, wie diese neue Perspektive tatsächlich eine Karikatur der apostolischen Lehre von der Rechtfertigung ist. An der finden erwartungsgemäß besonders römisch-katholische Theologen Gefallen, weil da behauptet wird, Luther habe geirrt; er habe sein eigenes Verständnis von Gesetz und Glauben und Rechtfertigung Paulus übergestülpt. Dass Luther Irrtümer gelehrt habe, hat die Römische Katholische Kirche seit dem Konzil von Trient bis heute ohne Unterlass verkündet, und entsprechend dankbar nimmt man zur Kenntnis, dass da ein evangelischer Theologe das endlich einsieht. Und was der katholischen Seele besonders zusagt, ist die ganze Verlagerung der Neuen Paulus-Perspektive von der Vertikalen auf die Horizontale: Es gehe Paulus im Römer- und im Galaterbrief nicht darum, wie der Sünder ins rechte Verhältnis zu Gott gesetzt werde (also, wie einer Christ wird), sondern darum, wie Juden und Heiden zusammen an einem Tisch Gemeinschaft haben können. Damit propagiert Tom Wright als evangelischer Theologe genau das, was das Allerinnerste des römisch-katholischen Systems ausmacht, nämlich eben die Katholizität. Im katholischen System ist das, was alles sich christliche Nennende zu einer Gemeinschaft verbindet, die Hauptsache; die Beziehung zu Gott ist dem nachgeordnet. Unter der Hand gerät dem selbsternannten Entdecker der „wirklichen Absicht des Apostels Paulus“ das Evangelium des Apostels zum Programm der Ökumene aller christlichen Bekenntnisse, wie folgendes von Nestvogel angeführte Zitat belegt: „Die Lehre von der Rechtfertigung ist … die ökumenische Lehre, die Lehre, die allen unseren kleinlichen und oft kulturell bedingten kirchlichen Gruppierungen eine Absage erteilt und die erklärt, dass alle, die an Jesus glauben, gemeinsam zu der einen Familie gehören … Die Lehre von der Rechtfertigung ist in der Tat die große ökumenischen Lehre.“ Dass „Wrights Rechtfertigungslehre sich als ökumenischer Treibstoff und Druckverstärker erweist“ (Nestvogel), ist offenkundig gerade das, was der großen Mehrheit der Evangelischen und auch vieler Evangelikalen so sehr gefällt.

Das wird im 4. Kapitel deutlich, in dem es zeigt, wie die EKD sich von der Position von Augsburg 1530 entfernt und die Position von Augsburg 1999 eingenommen hat. Das Augsburger Bekenntnis von 1530 war ein klares Bekenntnis zur biblischen Rechtfertigungslehre und damit eine Absage an das katholische Verständnis derselben. In der Gemeinsamen Erklärung von Augsburg 1999 unterwerfen sich evangelische Theologen den Irrtümern Roms. Sehr dankbar muss man dafür sein, wie Nestvogel den Inhalt dieser Erklärung ausbreitet und biblisch scharf ausleuchtet. Was den meisten Lesern unbekannt sein dürfte, ist der ganz im Sinne des päpstlichen Lehramtes formulierte Anhang zur Gemeinsamen Erklärung, die sogenannte „Gemeinsame Offizielle Feststellung“. In der tritt klar an den Tag, dass Rom sich auch in der „Gemeinsamen Erklärung“ von den Bannflüchen des tridentinischen Konzils nicht um Haaresbreite entfernt hat. Während am Reformationstag 1999 in Augsburg die Gemeinsame Erklärung unterzeichnet wurde, erklärte der Papst fast zeitgleich im Rahmen des Angelus-Gebets: „Vertrauen wir den ökumenischen Weg der mütterlichen Fürsorge der heiligen Jungfrau an.“ Was Nestvogel über diesen Hintergrund der Gemeinsamen Erklärung aufdeckt, dürfte für viele Leser ein regelrechter Augenöffner sein. Umso größer ist die Bestürzung darüber, dass dieses Symbol der Einheit so viel Lob von Evangelikalen geerntet hat, wie der Verfasser mit Zitaten belegt. Die Krönung dieser Römisch Katholischen Vereinnahmung der Evangelischen war das „Gemeinsame Wort“ der Protestantischen und Katholischen Kirchen zum Reformationsjahr 2017, das Nestvogel im Anschluss an die „Gemeinsame Erklärung“ analysiert. Wie dieses das Evangelium vollständig verdreht und zum therapeutischen Programm degradiert, bei dem es nur noch um Heilen verletzter Beziehungen geht, ist schier nicht zu fassen. Nestvogel ruft mit seinem Buch auf zum „Evangelischen Widerstand“. Wir müssen die Wahrheit verteidigen und unverdrossen predigen. Es geht um den Artikel, mit dem die Kirche steht oder fällt. Dieser müsse „der Herzschlag unserer Verkündigung“ bleiben. Es müsse uns aber auch bewusst sein, dass „die Predigt von der Rechtfertigung bis zur Wiederkunft des HERRN immer vom Kampf um die Rechtfertigung begleitet sein wird“.

FAZIT:

Ein wichtiges Buch mit einer für unsere Zeit absolut notwendigen Botschaft, vorgetragen mit großer Dringlichkeit. Es informiert, es klärt auf, es befestigt in der Wahrheit, es hilft, Position zu beziehen gegen die zahllosen Formen der Verwässerung und Verdrehung des Evangeliums von der Rechtfertigung des Sünders.

Benedikt Peters, CH-9320 Arbon

Leseprobe

Einleitung

„Ich berste vor Zorn und Unwillen. Ich bitte, brecht die Verhandlungen ab, hört auf, mit ihnen zu unterhandeln und kehret heim ... wir haben genug gebeten und getan.“

Martin Luther (an seinen Freund Justus Jonas, 1530)

„Die christlichen Kirchen sollten sich auf die Innerlichkeit und die Ewigkeit konzentrieren statt auf ihr humanitäres Engagement im Diesseits. (...)
Die letzte Konfrontation mit der Ewigkeit bleibt einem nicht erspart. Jeder Schriftsteller muss etwas zum Tod zu sagen haben.“

Michel Houellebecq, französischer Schriftsteller (geb. 1956)

 

Wann ist ein Christ ein Christ? –
Der Kampf um die Rechtfertigung

Es geht um alles! Um Leben und Tod, um Himmel und Hölle. In Augsburg diskutieren sie jetzt, Sommer 1530, wie eine Menschenseele vor der Verzweiflung gerettet werden kann. Was nach dem Tod auf uns wartet. Ob Gott eine Bedrohung ist oder eine Zuflucht?

500 Jahre danach stellt ein provokativer Schriftsteller, bekannt für seine aggressiven Thesen, im SPIEGEL-Interview die gleiche Frage. Er kleidet sie nur in ein anderes Sprachgewand: Was kommt nach dem Tod? Gibt es Ewigkeit?

Er wirft diese Frage nicht ins Leere, sondern fordert gezielt bestimmte Ansprechpartner heraus: „Die christlichen Kirchen sollten sich auf die Ewigkeit konzentrieren ...“ Verkehrte Welt: Ein progressiver Literat verlangt von den Kirchen, endlich mehr über die Ewigkeit (und das heißt doch: über Gott!) zu reden.

Ein knappes Jahr später, Ostern 2017, legt der SPIEGEL nach. Mit seinem Aufmacher: „Ewiges Leben demnächst für alle! Wie der Mensch den Tod besiegen will.“ Das Titelbild ziert ein postmodern stilisierter Christus in grellen Farben: grüne Dornenkrone, weit aufgerissene Augen. Sollte der SPIEGEL an seinen Zweifeln zweifeln? Der Text im Innenteil macht wenig Hoffnung: Nicht von Auferstehung ist die Rede, sondern von wirren medizinischen Projekten, Gentechnik, Jenseitsphantasien – aber auch von der unsterblichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit.

Wie kann ein sterblicher Mensch vor der Ewigkeit bestehen? Wie kann er vor einem persönlichen Gott bestehen, der Rechenschaft fordert? Denn jeden anderen Gott müsste man nicht fürchten, weil er hilflos und völlig machtlos wäre. Welcher Mensch kann sich vor dem gerechten Gott rechtfertigen? Was zählen dann gute Taten, friedliche Absichten, was nackte Gier, stumpfer Egoismus und tausendfach unterlassene Hilfeleistung? Wer zieht uns zur Rechenschaft? Wer schreibt die Rechnung? Wer bezahlt die letzten Schulden?

Wie kann ein Mensch vor Gott bestehen? Darum geht es beim Kampf um die Rechtfertigung. Kann ein Mensch, der Christ ist, vor Gott bestehen? Wenn das so ist, müssen wir weiter fragen: Wann ist ein Christ ein Christ?

Rechtfertigung ist kein Schreibtischthema für theologische Zirkel. Die Frage wurde zur Fackel, mit der sich die Reformation wie ein Steppenbrand in Europa ausbreitete. Die Houellebecqs der Renaissance forderten endlich ehrliche Antworten, und eine erstarrte Kirche hatte dem nichts anderes entgegenzusetzen als Rituale und religiöse Durchhalteparolen.

 

Komplette Leseprobe als PDF